Finanzielle Unsicherheit

Shownotes

Wie fühlt sich finanzielle Unsicherheit an, wenn man jung ist? In dieser Folge sprechen
wir, vier Jugendliche, über unseren Alltag zwischen Inflation, Nebenjobs und sozialem
Druck. Anhand von vier persönlichen Bildern zeigen wir, wie wirtschaftliche Krisen
konkret unser Leben beeinflussen. Das reicht von unsichtbarer Armut bis zur
eingeschränkten Mobilität. Ein ehrliches Gespräch, das zeigt, was wir uns für die
Zukunft wünschen.

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00:00:18: Moin moin und einen wunderschönen guten Tag.

00:00:21: Willkommen zu unserem Podcast und zwar nämlich die Folge Hashtag Geld Stress.

00:00:27: Wir sind hier jetzt genau vier Jugendliche aus dem Seminar Jugendliche Polikrisen.

00:00:32: Und heute reden wir über ein Thema, das uns möglicherweise alle betrifft, nämlich die finanzielle und wirtschaftliche Unsicherheit.

00:00:39: Genau.

00:00:40: Inflation, steigende Preise und unsichere Jobs.

00:00:43: Das ist gerade für unsere Jugend schon lange kein abstrakter Begriff mehr.

00:00:47: und sondern schon längst Alltag.

00:00:49: Wir haben heute alle jeweils ein Bild mitgebracht, das wir uns persönlich symbolisiert, was finanzielle Unsicherheit bedeutet.

00:00:55: Und wir sprechen darüber, wie das unser Leben beeinflusst und was wir dagegen tun können.

00:00:59: Ich bin Luca und bin hiermit Niklas, Luis und Lukas.

00:01:04: Alles klar, dann fange ich schon mal mit dem ersten Bild an.

00:01:07: Das ist nämlich von mir und das zeigt Freunde, formiert mein Bruder Niklas.

00:01:12: Die Zeit lang in einer Großküche aus Hilfen für etwas extra Geld.

00:01:18: Man sieht sie hier, da stehen sie neben dem Spielbecken und haben schon die Kelle in der Hand.

00:01:24: Das wurde nach der Arbeit geschossen.

00:01:25: Sie sehen deshalb auch total erschöpft aus.

00:01:28: Man sieht die Augenringe und den erschöpften Blick.

00:01:31: Und ich möchte euch jetzt über eure Eindrücke fragen.

00:01:36: Das kenne ich auch nach der Schule noch fünf Stunden Jobben.

00:01:39: Nur um sich das Handy.

00:01:40: eine Knümmerten oder eben einfach den Sprit leisten zu können.

00:01:43: Das ist schon echt hart.

00:01:45: Und gerade bei Jünglichen, die das Leben genießen wollen, das geht echt auf die Nerven.

00:01:49: Ist das bei euch auch so, dass das gar nicht mehr nur Taschengeld aufbessern ist, sondern richtig notwendig?

00:01:54: Meine Freundin zum Beispiel arbeitet, weil ihre Familie das Kindergeld für die Miete braucht.

00:01:58: Absolut.

00:01:59: Das ist kein Luxus mehr.

00:02:00: Und das Problem ist, diese Jobs sind anstrengend schlecht bezahlt und kosten Zeit, die wir eigentlich für Schule oder soziale Kontakte bräuchten.

00:02:08: Genau.

00:02:08: Und was daraus entsteht, ist in meinem Gefühl so eine Art ständiger Grundachst.

00:02:13: Denn was passiert, wenn dieser Job einfach mal ausfällt?

00:02:16: Weil, wie soll ich dann noch am Zukunft denken?

00:02:18: Und Studium, Ausbildung?

00:02:20: Wenn es jetzt schon gerade mal so

00:02:22: funktioniert.

00:02:23: Ja, ich

00:02:26: würde sagen, wir machen ein Bild zwei weiter.

00:02:29: Also mein Bild ist halt besonders krass.

00:02:31: Das ist von einer Person, die heute keinen Wohnsitz hat.

00:02:34: Und wir waren da in Weimar, in der Weimarfahrt.

00:02:37: Und die kam einfach um uns zu, hat mit uns geplaudert.

00:02:40: Und dann haben wir einfach gesagt, dass sie bei uns schlafen kann.

00:02:44: Und dann hat sie in unserem Gemeinschaftsraum auf den Schrank geschlafen.

00:02:48: Oh wow, das ist echt krass.

00:02:50: Das zeigt auch echt so deutlich, dass es auch bei uns in der Schule ist, dass es da diese unsichtbare Armut gibt.

00:02:55: Alle tragen die gleichen Hoodies, aber dahinter versteckt sich ganz andere Realitäten.

00:03:00: Und das Schlimmste ist das Schamgefühl.

00:03:01: Niemand will, als der oder die Armut dastehen.

00:03:03: Also wird getan, als wäre alles okay.

00:03:05: Dabei frisst diese finanzielle Unsicherheit... total allein.

00:03:10: Das finde ich auch so crazy.

00:03:12: Also es geht nicht nur ums Geld, sondern auch um das soziale Mitmachen.

00:03:16: Wenn du schon bei solchen Aktivitäten immer absagen musst, weil du kein Geld hast, dann wird man schnell ausgeschlossen.

00:03:24: Ja und das Bildungssystem tut oft so, als wären alle finanziell gleichgestellt.

00:03:29: Dabei bestimmt Geld, ob du Nachhöfe bezahlen kannst, ob du ein ruhiges Zimmer zum Lehren hast, ob du dir Bücher leisten kannst und das sind oft Faktoren, die halt der Soosystem komplett ignoriert.

00:03:41: Okay, dann würde ich jetzt mal mit meinem Welt weiter machen.

00:03:44: Also ich habe hier einen deren Einkaufskorb fotografiert, wo nur so ein paar Grundnahrungsmittel drin sind und eben einen sehr teuren Preisschild daneben.

00:03:53: Und für mich symbolisiert das eben, dass selbst die Basics mega teuer sind und man sich die selbst kaum noch leisten kann.

00:04:00: Ja, vor einem Jahr habe ich für fünfzig Euro noch einen vollen Wagen bekommen.

00:04:03: Heute ist das vielleicht die Hälfte.

00:04:05: Und wenn man dann noch auf Bio oder Nachhaltigkeit achten will, wird es komplett unmöglich.

00:04:11: Das stresst mich auch total.

00:04:13: Meine Mutter rechnet jetzt jede Woche neu, was wir uns leisten können.

00:04:17: Und Luxus ist dann mal eine Taft Schokolade, dabei sind wir eine ganz normale Familie.

00:04:23: Und was macht uns Junglichen?

00:04:24: Wir überlegen dreimal, ob wir uns mit Freunden treffen, weil sie selbst ein Döner oder ein Kaffee teuer ist.

00:04:30: Diese ständigen Kalkulationen machen müde.

00:04:33: Ja genau, da habt ihr voll recht und ich finde, wir haben noch Glück, wenn unsere Familien uns unterstützen können.

00:04:38: Aber es ist diese Grundunsicherheit.

00:04:40: Wird das dieses Jahr noch teurer?

00:04:42: Da können wir überhaupt unsere Wohnung behalten.

00:04:44: Ich finde, diese Gedanken sitzen bei allen ziemlich tief.

00:04:49: Ja, kommen wir zum nächsten Bild.

00:04:50: Das ist mein Bild.

00:04:52: Es zeigt eine Tankstelle mit Forenden, Benzinpreisen.

00:04:54: Für mich steht das für die Mobilitätsfrage.

00:04:57: Wie soll man in ländlichen Gebieten zur Schule, zur Arbeit, zu Freunden kommen, wenn der Sprit unbezahlbar wird?

00:05:03: Bei mir im Dorf fahren jetzt die Jugendliche fünfzehn Kilometer mit dem Fahrrad zur Schule.

00:05:09: Auch im Winter, weil das Auto nicht mehr drin ist.

00:05:12: Öffentlicher Verkehr, Fehlanzeige.

00:05:14: Und das schränkt Chancen total ein.

00:05:16: Bewirfst dich nicht auf den coolen Job in der Stadt, weil die einfachste teuer wäre.

00:05:20: Du siehst Freunde seltener, dein Radius wird kleiner.

00:05:24: Ja, aber es ist ja auch so eine Klimakrisenfrage.

00:05:27: Eigentlich wissen wir ja, dass wir weniger Auto fahren sollten.

00:05:30: Aber wenn es dann keine Alternativen gibt, dann wird Mobilität zum Luxus.

00:05:34: Und das ist dann auch wieder echt unfair.

00:05:36: Da habt ihr schon recht.

00:05:37: Ja.

00:05:38: Und wieder trifft es diejenigen im Herzen, die ohnehin wenig haben.

00:05:41: Die reichen Tanken trotzdem.

00:05:43: Aber für viele Jugendliche bedeutet jeder Cent mehr und der Tankstelle weniger Freiheit.

00:05:48: Okay.

00:05:49: Jetzt haben wir diese ganzen Bilder gesehen und die Andrücke gehört.

00:05:54: Und es ist alles ziemlich düst, aber was können wir tun?

00:05:56: als Einzelner oder doch als Gesellschaft.

00:06:00: Wir müssen vielmehr über Geld reden und das auch definitiv ohne Scham.

00:06:04: In der Schule, in der Familie, Finanzbildung soll ein Pflichtfach sein.

00:06:09: Wie geht Budgetplanung?

00:06:11: Was sind Rechte bei Jobs?

00:06:13: Ja, und ich finde auch generell, dass so auf der politischen Ebene Jugendlichen generell mehr gehört werden müssen, weil eben wir sind ja die, die von diesen Krisen am längsten betroffen sind.

00:06:24: Ich würde mal sagen, wir haben so generell am wenigsten Mitspracherecht in der Politik.

00:06:29: Vielleicht braucht es dann ja Jugendbeiräte in Gemeinden, die dann auch diese Finanzfragen besprochen sprechen können.

00:06:37: Kurzfristig könnten Schüler und Studierenden Tickets für den ÖPNV bundesweit kostenlos oder sehr günstig sein.

00:06:43: Und mehr psychologische Unterstützung an Schulen für die, die unter diesem finanziellen Druck leiden.

00:06:48: Jo, ich finde auch, dass das Thema Würde wichtig ist, denn niemand sollte sich schämen müssen.

00:06:55: Wenn das Geld knapp ist, ne?

00:06:56: Also Solidarität ist ja das Stichwort.

00:06:58: Wie bei dem Bild der Klassenfahrt.

00:07:00: Wir müssen aufeinander achten.

00:07:04: So, das war unsere Folge zur finanziellen Unsicherheit.

00:07:08: Danke für eure Bilder und eure Offenheit.

00:07:11: Ja, und denkt immer dran, mit diesen Sorgen seid ihr nicht allein.

00:07:15: Wir sind alle Jugendliche, wir haben alle dieselben Probleme.

00:07:18: Und redet darüber, sucht euch Hilfe und lasst euch nicht einreden, dass ihr zu jung für manche Themen seid.

00:07:25: Unsere Generation steht vor großen Herausforderungen, aber wir haben auch die Chance, Dinge anders zu machen.

00:07:31: Wenn ihr betroffen seid, informiert euch bei Beratungsstellen, wie bei der Schuldnerberatung, wie Jugendliche, oder vielleicht kennt das ja schon viele von euch, die Nummer ging Kummer und hört nächste Woche auf jeden Fall wieder rein, wenn es um Klimaangst geht.

00:07:47: Bis dann.

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